Kontakt zum Kind nach der Trennung

Umgangsrecht nach Trennung – Kontakt verlässlich gestalten.

Kinder brauchen nach einer Trennung vor allem Verlässlichkeit – und möglichst wenig Streit zwischen ihren Eltern.

Wie oft sieht ein Elternteil sein Kind? Wie werden Wochenenden, Ferien und Feiertage aufgeteilt? Was geschieht, wenn ein Elternteil den Umgang verweigert oder ein Kind nicht zum anderen Elternteil möchte? Beim Umgangsrecht gibt es selten eine Lösung, die für jede Familie gleichermaßen passt.

Umgangsrecht nach Trennung – Eltern, Kind und Umgangszeiten
§
Rechte kennen Umgang rechtlich richtig einordnen
Zeiten gestalten Wochenenden, Ferien und Feiertage regeln
Kind im Mittelpunkt Verlässliche und tragfähige Lösungen entwickeln

Das Grundprinzip

Das Umgangsrecht ist vor allem ein Recht des Kindes.

Nach einer Trennung soll die Beziehung eines Kindes zu beiden Eltern grundsätzlich erhalten bleiben. Das Gesetz gibt dem Kind deshalb ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil.

Gleichzeitig ist jeder Elternteil zum Umgang mit seinem Kind berechtigt und verpflichtet.

Eltern sollen außerdem alles unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert.

Wichtig: Umgang ist nicht die „Belohnung“ für einen Elternteil. Im Mittelpunkt steht die Beziehung des Kindes zu seinen Eltern und damit das Kindeswohl.

Umfang des Umgangs

Wie oft darf ich mein Kind sehen?

Eine starre gesetzliche Regel, nach der jedes Kind beispielsweise automatisch jedes zweite Wochenende beim anderen Elternteil verbringt, gibt es nicht.

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Alter des Kindes

Bei kleinen Kindern können häufigere und gegebenenfalls kürzere Kontakte sinnvoll sein, während bei älteren Kindern andere Umgangsmodelle praktikabel sein können.

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Bindung & Alltag

Die bisherige Betreuung, die Beziehung zu beiden Eltern sowie Kindergarten, Schule und Freizeitaktivitäten spielen eine wichtige Rolle.

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Entfernung

Auch die Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern beeinflusst, welche Umgangsregelung im Alltag tatsächlich funktionieren kann.

Ein verbreitetes Modell

Gibt es ein Recht auf jedes zweite Wochenende?

Der Umgang jedes zweite Wochenende ist ein häufig praktiziertes Modell, aber keine gesetzlich vorgeschriebene Standardregelung.

Welche Umgangszeiten angemessen sind, hängt von der konkreten Familie, dem Alter des Kindes, den bisherigen Bindungen, den Wohnorten und weiteren Umständen ab.

Neben Wochenendkontakten können auch Umgang unter der Woche, Übernachtungen und längere Ferienzeiten vereinbart werden.

Eine gute Umgangsregelung sollte nicht nur auf dem Papier gerecht aussehen. Sie muss insbesondere für das Kind im tatsächlichen Alltag funktionieren.

Ferien und Feiertage

Wie werden Weihnachten, Ferien und Geburtstage geregelt?

Gerade besondere Tage führen nach einer Trennung häufig zu Konflikten. Eine möglichst klare Regelung kann viele spätere Auseinandersetzungen vermeiden.

Schulferien

Ferien können beispielsweise hälftig oder nach einzelnen Ferienabschnitten zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der familiären Situation ab.

Weihnachten

Für Weihnachten kann beispielsweise zwischen Heiligabend und Weihnachtstagen unterschieden oder jährlich gewechselt werden.

Ostern & Pfingsten

Auch Feiertagswochenenden lassen sich im jährlichen Wechsel oder durch eine feste Aufteilung verbindlich regeln.

Geburtstage

Kindergeburtstage, Geburtstage der Eltern und andere besondere Familientage können ebenfalls in einer Umgangsvereinbarung berücksichtigt werden.

Kindeswille

Was passiert, wenn das Kind nicht zum anderen Elternteil möchte?

Äußert ein Kind, dass es den anderen Elternteil nicht sehen möchte, muss zunächst geklärt werden, warum es diese Haltung entwickelt hat.

Alter und Reife des Kindes spielen dabei ebenso eine Rolle wie mögliche Konflikte, Ängste, Loyalitätskonflikte oder die Beziehung zum jeweiligen Elternteil.

Mit zunehmendem Alter und zunehmender Reife gewinnt der Wille des Kindes regelmäßig an Bedeutung.

Der geäußerte Kindeswille ist wichtig, aber nicht automatisch der einzige Gesichtspunkt. Entscheidend bleibt eine Gesamtbetrachtung des Kindeswohls.

Umgang wird verhindert

Darf der andere Elternteil den Umgang einfach verweigern?

Ein Elternteil kann den Umgang nicht allein deshalb verweigern, weil zwischen den Erwachsenen Streit besteht oder er mit dem Lebensstil des anderen Elternteils nicht einverstanden ist.

Eltern haben vielmehr die Pflicht, das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil nicht zu beeinträchtigen.

Bestehen allerdings konkrete Gründe, aus denen der Umgang das Kindeswohl gefährden könnte, muss die Situation anders beurteilt werden.

Bei länger andauernder Umgangsverweigerung sollte frühzeitig geklärt werden, ob eine außergerichtliche Lösung möglich ist oder eine verbindliche gerichtliche Regelung erforderlich wird.

Keine Einigung möglich

Was kann das Familiengericht regeln?

Können Eltern keine tragfähige Umgangsregelung finden, kann das Familiengericht Umfang und Ausgestaltung des Umgangs festlegen.

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Umgangszeiten

Das Gericht kann konkrete Tage, Wochenenden, Übergabezeiten, Ferien und gegebenenfalls Übernachtungen regeln.

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Übergaben

Auch Ort und Ablauf der Übergabe des Kindes können bei Bedarf in eine konkrete Regelung aufgenommen werden.

3

Weitere Bedingungen

Je nach Situation können zusätzliche Vorgaben erforderlich sein, um einen für das Kind geeigneten Umgang zu ermöglichen.

Verbindliche Umgangsregelung

Was passiert, wenn eine gerichtliche Regelung nicht eingehalten wird?

Besteht bereits eine vollstreckbare gerichtliche Umgangsregelung oder ein gerichtlich gebilligter Vergleich, sollten sich beide Eltern grundsätzlich daran halten.

Wird eine solche Regelung schuldhaft nicht beachtet, können familiengerichtliche Vollstreckungsmaßnahmen in Betracht kommen.

Welche Reaktion sinnvoll ist, hängt jedoch stark von der konkreten Situation und insbesondere davon ab, warum der Umgang nicht stattgefunden hat.

Nicht jedes ausgefallene Wochenende sollte sofort zu einem neuen gerichtlichen Verfahren führen. Wiederholte oder gezielte Verstöße gegen eine verbindliche Umgangsregelung sind jedoch anders zu beurteilen.

Schutz des Kindes

Wann kann Umgang eingeschränkt oder ausgeschlossen werden?

Das Familiengericht kann das Umgangsrecht einschränken oder ausschließen, soweit dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist.

Ein längerfristiger oder dauerhafter Ausschluss kommt nur unter strengeren Voraussetzungen in Betracht.

Zwischen uneingeschränktem Umgang und vollständigem Ausschluss gibt es außerdem weitere Möglichkeiten.

So kann beispielsweise angeordnet werden, dass Umgang nur in Anwesenheit eines mitwirkungsbereiten Dritten stattfindet. Dies wird häufig als begleiteter Umgang bezeichnet.

Eltern wohnen weit auseinander

Wie funktioniert Umgang bei großer Entfernung?

Leben die Eltern nach einer Trennung weit voneinander entfernt, muss eine Umgangsregelung die damit verbundenen Reisezeiten und Belastungen berücksichtigen.

Häufig können dann längere, aber weniger häufige Umgangszeiträume praktikabler sein als sehr kurze Kontakte in engem Abstand.

Auch Ferienzeiten können bei größeren Entfernungen eine stärkere Bedeutung bekommen.

Bei jeder Regelung sollte darauf geachtet werden, dass Reisezeiten, Schule und Freizeit des Kindes in einem vernünftigen Verhältnis zum eigentlichen Umgang stehen.

Häufig verwechselt

Was ist der Unterschied zwischen Umgangsrecht und Sorgerecht?

Das Umgangsrecht betrifft den persönlichen Kontakt und die Beziehung zwischen Kind und Elternteil.

Das Sorgerecht betrifft dagegen die rechtliche Verantwortung und Entscheidungsbefugnis für das Kind.

Ein Elternteil kann deshalb ein Umgangsrecht haben, auch wenn ihm die elterliche Sorge nicht oder nicht vollständig zusteht.

Weitere Bezugspersonen

Haben Großeltern oder Geschwister ein Umgangsrecht?

Umgangsrecht betrifft nicht ausschließlich die Eltern eines Kindes.

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Großeltern

Großeltern können ein Recht auf Umgang mit ihrem Enkelkind haben, wenn dieser Umgang dem Wohl des Kindes dient.

2

Geschwister

Auch Geschwister können unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Recht auf Umgang miteinander haben.

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Enge Bezugspersonen

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch für andere enge Bezugspersonen ein Umgangsrecht in Betracht kommen, wenn sie tatsächliche Verantwortung für das Kind getragen haben.

Das Gesamtbild

Umgang, Sorgerecht und Kindesunterhalt getrennt betrachten.

Nach einer Trennung hängen viele Fragen praktisch miteinander zusammen. Rechtlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche Bereiche.

Die Frage, wie viel Unterhalt gezahlt wird, entscheidet beispielsweise nicht darüber, ob ein Elternteil sein Kind sehen darf.

Ebenso bedeutet gemeinsames Sorgerecht nicht automatisch, dass ein Kind exakt die Hälfte seiner Zeit bei jedem Elternteil verbringen muss.

Häufige Fragen

Umgangsrecht kurz erklärt

Wie oft darf ein Vater oder eine Mutter das Kind sehen?

Das Gesetz schreibt keine allgemeine Zahl von Tagen oder Wochenenden vor. Entscheidend ist eine Regelung, die zur konkreten Situation des Kindes und seiner Eltern passt.

Ist jedes zweite Wochenende gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Dieses Modell ist verbreitet, aber keine gesetzliche Standardregelung. Auch andere Umgangsmodelle sind möglich.

Darf die Mutter dem Vater den Umgang verbieten?

Das Geschlecht der Eltern spielt für diese Frage keine Rolle. Ein Elternteil darf Umgang nicht allein wegen persönlicher Konflikte mit dem anderen Elternteil verhindern. Bei einer möglichen Kindeswohlgefährdung kann dagegen eine gerichtliche Klärung erforderlich sein.

Was passiert, wenn mein Kind nicht mitkommen möchte?

Die Gründe für die Ablehnung sollten sorgfältig betrachtet werden. Alter, Reife und Wille des Kindes sind wichtige Gesichtspunkte, müssen aber im Zusammenhang mit dem gesamten Kindeswohl beurteilt werden.

Wer bekommt das Kind an Weihnachten?

Eine gesetzliche Standardaufteilung gibt es nicht. Eltern können eine eigene Regelung treffen. Bei anhaltendem Streit kann auch eine gerichtliche Umgangsregelung Feiertage und Ferien erfassen.

Kann Umgang nur unter Aufsicht stattfinden?

Ja. Wenn dies zum Schutz des Kindes erforderlich ist, kann das Familiengericht bestimmen, dass der Umgang nur in Anwesenheit eines mitwirkungsbereiten Dritten stattfinden darf.

Haben Großeltern ein Recht auf Umgang mit ihrem Enkel?

Großeltern können ein Umgangsrecht haben, wenn der Umgang mit ihnen dem Wohl des Kindes dient.

Weiterführende Informationen

Mehr zu Kindern nach Trennung und Scheidung

Der Umgang mit Ihrem Kind funktioniert nicht wie vereinbart?

Ob eine neue Umgangsregelung sinnvoll ist, eine bestehende Regelung durchgesetzt werden muss oder zunächst eine außergerichtliche Lösung gesucht werden sollte, hängt von Ihrer konkreten Situation ab. Rechtsanwältin Ute Schniering, Fachanwältin für Familienrecht in Essen, bespricht mit Ihnen die möglichen nächsten Schritte.